Das größte Champions-League-Finale der Fußballgeschichte: Liverpool vs. Milan

Bei einem CL-Finale erwartet man als Zuschauer das spielerisch absolute Highlight des Jahres. Doch wie oft wurden wir bisher enttäuscht? Es fanden plötzlich Spiele statt, die lange torlos blieben oder aber zu deutlich waren, sodass keinerlei Spannung aufkam. Doch im Jahre 2005 war alles anders: Mit dem Aufeinandertreffen zwischen Liverpool aus England und Milan aus Italien fand ein Finale der Extraklasse statt, welches bis jetzt unvergessen ist. Dabei waren die Befürchtungen schlimm: Man erwartete mauernde und auf Konter spielende Italiener und ein wenig versiertes Liverpool, weswegen eine langweilige Darbietung nicht auszuschließen war. Doch es kam anders.

Die erste Halbzeit als Machtdemonstration der erfahrenen Italiener

Was für Milan sprach, waren die Weltstars in den eigenen Reihen und die unglaubliche Erfahrung der Spieler auf Weltklasseniveau. So kam es, dass die Italiener von Beginn an das Zepter übernahmen und das beeindruckte Liverpool schwindelig spielten. Der Paukenschlag in der ersten Minute schockierte das unerfahrene Liverpool stark und trug maßgeblich zum Verlauf der ersten Halbzeit bei: Durch die Führung durch den Abwehrchef Maldini nach wenigen Sekunden angetrieben, drückten Top-Spieler wie Shevchenko, Seedorf, Gatttuso, Pirlo, Kaká und Crespo Liverpool hinten rein. Letzterer, der argentinische Top-Stürmer Hernan Crespo, war es, der Liverpool kurz vor dem Pausentee den vermeintlichen K.O.-Schlag verpasste. Seine Treffer zum 2-0 und 3-0 ließen eine Finalschmach für Liverpool und einen triumphalen Sieg für Milan vermuten.

In der Halbzeitpause stellten sich somit alle Fans auf ein Ausklingen des Fußballspiels ein und vermuteten von Liverpool keine große Gegenwehr mehr. Zu abgeklärt traten die alten Haudegen in Diensten des AC Milan auf.

Die zweite Halbzeit im Zeichen der unerwarteten Wende

In der Halbzeitpause reagierte der Trainer Liverpools, Rafael Benítez, auf die schlechte Leistung und stellte taktisch sowie personell um. Mit dem erfahrenen deutschen Dietmar Hamann kam für den irischen Rechtsverteidiger Steve Finnan ein defensiver Mittelfeldspieler. Es erfolgte die Umstellung auf eine Dreierkette in der Verteidigung, was Liverpools System offensiver machte. Gepaart mit den passenden taktischen Änderungen schlug der Systemwechsel voll ein. Milan war überrascht und lief von Beginn der zweiten Halbzeit an nur noch mühsam dem Ball hinterher, den Liverpool fließend zirkulieren ließ. Innerhalb von sechs Minuten folgte eine historische Wende: In der 54. Minute erzielte Steven Gerrard das 1-3. Es folgte nur zwei Minuten später das 2-3. Nun war klar, dass der Rückstand komplett aufholbar war und Liverpool war beflügelt. Es gab in der 60. Minute, wenige Minuten nach dem Anschlusstreffer, einen Elfmeter für Liverpool, den zwar Milans Torhüter Dida hielt. Aber den Abstauber verwertete Schütze Xabi Alonso zum sensationellen Ausgleich. Anschließend folgte ein Schlagabtausch beider Teams, bei dem Milan durch Shevchenko kurz vor Schluss fast doch noch den Sieg eingefahren hätte. Aber Liverpools Schlussmann Jerzy Dudek parierte glänzend, wodurch es mit einem 3-3 in die Verlängerung ging.

Das Elfmeterschießen als absolutes i-Tüpfelchen

Nach einer torlosen und eher vorsichtigen Verlängerung beider Teams musste im Elfmeterschießen die Entscheidung her. Bis dahin war bereits klar, dass die beiden Teams die Zuschauer einzigartig unterhalten und das torreichste Champions-League-Finale der Geschichte abgeliefert hatten. Bis heute fielen in keinem weiteren CL-Finale mehr Treffer als 2005.

Das Elfmeterschießen belohnte Liverpool für den Kampfgeist. Zwar verwandelten die Engländer einen Elfmeter nicht, bei Milan waren es jedoch drei unverwandelte. So siegte Liverpool mit 3-2 nach Elfmeterschießen und holte sich den Henkelpott als Sieger der Champions League. Torwart Dudek avancierte dabei durch zwei gehaltene Elfmeter zum besonderen Helden eines unvergesslichen Abends.

Die darauffolgende Saison konnte Liverpool seinen Titel nicht verteidigen, aber dafür setzte der Verein eine Duftmarke bei dem Finale 2005, die lange Zeit unvergessen bleiben wird.

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